Montag, 5. März 2012

Ein besonderes Naturschauspiel beim Martinsloch


Das Martinsloch- Bald ist es wieder soweit!!! Die Sonne wird in ein paar Tagen das Martinsloch durchstrahlen! Durch geologische Verwerfungen entstand das Martinsloch, an dem sich zweimal im Jahr ein besonderes Naturschauspiel ereignet. Das alpine Lichtschauspiel im 800-Seelen-Dorf Elm zuhinterst im Sernftal, wo der Kanton Glarus an die bündnerische Surselva grenzt, zieht jedes Jahr im Frühling und im Herbst sehr viele Schaulustige an. Trotz seines grossen Bekanntheitsgrads hat sich der abgeschiedene und auf 1000 m über Meereshöhe gelegene Wintersport-Ort, seine Ursprünglichkeit und Originalität stets bewahrt.




Das Martinsloch ist ein rundes Loch von etwa 19 Meter Durchmesser in den Tschingelhörnern, knapp unterhalb des Grates, der die Grenze zwischen den Schweizer Kantonen Glarus und Graubünden bildet. Das Loch liegt auf einer Höhe von rund 2'600 m und ist so ausgerichtet, dass sich zweimal im Jahr ein besonderes Naturschauspiel ereignet. Im Frühjahr und im Herbst,  März und September scheint die Sonne morgens durch das Loch in den Ort Elm hinunter.  Die Kirche in Elm wurde eigens so gebaut, dass der Kirchturm durch dieses Loch von der Sonne wunderschön bestrahlt wird.


Zwischen der kleinen, 1493 bis 1510 erbauten Kirche und einfachen Holzhäusern, erwartet die Menschenmenge morgens den Moment, an dem die Sonne durch das etwa 19 m hohe Felsenfenster links unterhalb der Tschingelhornspitze, hervorbricht und für etwa zweieinhalb Minuten den Kirchturm und die Wiese neben dem Gotteshaus bescheint, bevor sie nochmals für knapp eine Viertelstunde verschwindet und wenig später an der Bergflanke aufgeht und den Tag begrüsst. Bei seinem Durchtritt durch das Loch bildet das Sonnenlicht bei dunstigem Wetter, wie ein  Scheinwerfer, einen deutlich erkennbaren 4.7 km langen Lichtkegel, der einen etwa 50 m grossen,  runden Lichtfleck auf das Gelände um Elm wirft.

An wenigen Tagen im März und September scheint die Sonne jeweils etwa zwei Minuten lang durch das Felsenloch auf den Elmer Kirchturm.

Hinter dem Dorf bewegt sich eine Lichtellipse von 105 m auf 50 m über die Landschaft, die durch den 44 Meter hohen Sattel über dem Martinsloch nur durch ein Schattenband von gut 10 bis 15 Meter getrennt ist. 

Der Lichtfleck kriecht von oben links nach unten rechts mit etwa 32 cm pro Sekunde (je nach Einfallswinkel) den westlichen Hang hinunter. Dieses Phänomen ereignet sich jedes Jahr am 12. oder 13. März um 8:52 Uhr MEZ und im Herbst am 30. September und 1. Oktober um 9:33 Uhr MEZ. Weil die beiden Tagundnachtgleichen jeweils infolge der Schalttage um einen Tag variieren, fällt das maximale Ereignis auch auf einen Tag früher oder später.

Und eines möchte ich zum Schluss noch erwähnen. Wir dürfen uns glücklich schätzen, in der Schweiz zu wohnen, denn   hier  gibt es unzählige   Naturschauspiele die man bestaunen und bewundern kann, doch eines ist ganz besonders schön und äusserst selten.

Das Ereignis am Martinsloch, denn nur alle 19 Jahre scheinen Sonne und Mond am gleichen Tag durch die kreisrunde Öffnung, in den Luftkurort Elm. Zum letzten Mal geschah dies am 30. September 2001. Mehrere Zehntausend Schaulustige sind   aus allen Landesteilen angereist um bei diesem ganz speziellen Ereignis dabeizusein. Schon   in der Nacht kämpften sie um die besten Lauerplätze in den Steilhängen der Tschingelhörner oberhalb des Dorfes.

Die Vorsehung war diesmal  gnädig, denn das Spektakel fand genau an einem Sonntag statt. Noch vor Beginn der heiligen Messe trafen um 9:33 Uhr die Sonnenstrahlen den Kirchturm. Die wolkenlose Verbindung durch das natürliche Fenster im großen Tschingelhorn – der heilige Martin soll es einst im Zorn über die Schlechtigkeit der Menschen hier in den Fels gehauen haben – dauerte 3 Minuten. Am Abend starrte der erste Herbstvollmond des neuen Jahrtausends um 20:20 Uhr durch das Martinsloch auf den letzten bewohnten Flecken Erde im Tal, aber auch sein wunderschönes erscheinen war nach 3 Minuten zu Ende.


Die Sonne scheint zweimal im Jahr durch das Martinsloch. Der Mond nur alle 19 Jahre einmal. Schuld daran ist die Lunisolarpräzession. Und die Nutation des Mondes. Himmelskörper rotieren nach eigenen Regeln. Jeweils um den 1. Oktober zeigt sich die Sonne zum letzten Mal in Elm. Durch das Martinsloch.

Danach steigt sie den ganzen Winter nicht mehr über die Gipfelreihe der Tschingelhörner und überläßt das Tal dem Winterschatten. Erst am 12. März fällt, wenn alles gut geht, fällt ihr Licht erneut auf die Elmer Kirchturmspitze. Die Präzession bewirkt eine rückläufige Bewegung des Frühlingspunktes. Und die Dorfbewohner atmen auf.



Ein Dankeschön an unsere Stammleserin Lisa aus Rebstein die mir die Anregung zu diesem tollen Bericht gab :o)

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